Russell Crowe und Denzel Washington in einem gemeinsamen Gangster-Film als Gegenspieler – da erhofft man sich einen ähnlichen Showdown wie in "Heat" mit DeNiro und Pacino. Nun, davon sind Crowe und Washington zwar weit entfernt, dennoch ist "American Gangster" ein sehr guter Film geworden, den man sich definitiv ansehen sollte.
Regisseur Ridley Scott und sein Drehbuchautor Steven Zaillian ("Die Dolmetscherin", "Gangs of New York") liefern uns eine feine Charakterzeichnung (nicht nur der Hauptfiguren). Sie nehmen sich viel Zeit, um den parallelen Aufstieg der so unterschiedlichen Kontrahenten aufzuzeigen und ihr soziales Umfeld, ihre familiären und freundschaftlichen Bindungen näher zu beleuchten. Auch der glamouröse Lifestyle des Gangsters im Gegensatz zum eher bescheidenen Leben des Cops wird uns derart gelungen vor Augen geführt, dass es einen fast verführt, zur dunklen Seite zu wechseln.
Die Leistung von Crowe ist sehr sensibel angelegt und er überzeugt sowohl als tougher Polizist als auch als gescheiterter Ehemann und Vater. Auch an Washington ist nichts auszusetzen, auch wenn er ab und zu einen Hauch zu viel gibt. Aber das sind wirklich nur Kleinigkeiten. Die Leistung der Nebendarsteller darf hier aber auch nicht vergessen werden. Die ist tadellos, vor allem das Spiel von Josh Brolin, Cuba Gooding jr. und Chiwetel Ejiofor.
Grandios auch die absolut glaubwürdige Ausstattung und die exzellente Kameraarbeit (Harris Savides – "The Game", "Forrester – Gefunden!"), die uns eine exklusive Reise in die Siebziger spendieren.
Der Film funktioniert also eigentlich in allen Bereichen ganz vorzüglich, allerdings fängt die wirkliche Action, der rasante Teil des Films, in dem sich die Lage zuspitzt, die komplexen Verwicklungen beginnen, das Zusammentreffen der beiden Hauptdarsteller endlich stattfindet, ein wenig zu spät an.
Fazit
Kein Vergleich mit "Scarface", "French Connection" oder "Der Pate" - dennoch ist Scott mit "American Gangster" ein großartiger Film gelungen, der vor allem produktionstechnisch seinesgleichen sucht. Ein Klassiker wird er zwar nicht werden, aber ein Ticket fürs Kino lohnt sich allemal.