Jede Zeit hat ihre eigenen Superhelden und es gibt Zeiten, da sind sogar Superhelden von einst aktueller denn je. Iron Man ist so ein Superheld. Ein Großindustrieller in der Rüstungsbranche, der immer an den neuesten, perfektesten Waffen herumtüftelt, ohne sich große Gedanken darüber zu machen, was damit eigentlich angerichtet wird, und der sein schlechtes Gewissen, wenn es denn einmal auftaucht, damit beruhigt, dass er mit den Waffenverkäufen viel Geld verdient, das er wieder in Erfindungen für das Allgemeinwohl stecken kann. Doch ein einschneidendes Erlebnis bringt ihn dann dazu, über sich selbst nachzudenken und seine Firmenpolitik zu überdenken.
Regisseur Jon Favreau und seine Drehbuchautoren nehmen sich viel Zeit, um Tony Stark vom Saulus zum Paulus zu wandeln und seine inneren Konflikte sichtbar zu machen. Eben noch mit Wein, Weib und Gesang und strippenden Stewardessen im Privatjet, arbeitet er jetzt an einer Rüstung, mit deren Hilfe er gegen die Bösewichte der Welt vorgehen kann. Äußerst amüsant sind die verschiedenen Testphasen der Rüstungen, die von der Stimmung her an Peter Parkers erste Kostüm-/Spinnweb-Probeläufe in „Spider-Man“ erinnern. Wenn Tony Stark versucht, mit seinen ersten Entwürfen abzuheben und dabei von seinen Hilfsrobotern unterstützt wird, bleibt kein Auge trocken. Die Spezialeffekte und Actionszenen sind beeindruckend und erfüllen all das, was man sich erhofft und erwünscht hat. Auch der Humor bleibt nicht auf der Strecke. Tony Starks markige Sprüche und seine Interaktion mit Assistentin Pepper Potts sorgen stets für herzhafte Lacher.
Charaktermime Robert Downey Jr. ist die perfekte Besetzung für Tony Stark/Iron Man, auch wenn die Wahl anfangs ziemlich ungewöhnlich schien. Doch er besitzt genau die Art von Präsenz, um dem Comic-Helden Charakter, Ernsthaftigkeit und Tiefe zu verleihen, und auch die richtige Portion Selbstverliebtheit, Arroganz, Überheblichkeit, Humor und Nonchalance, um den sorglosen Playboy und brillanten Wissenschaftler zu spielen, der immer noch nicht erwachsen ist, sondern ein großer Junge, der einfach nur spielen will.
Die Chemie mit Gwyneth Paltrow alias Tony Starks Assistentin Pepper funktioniert gut, auch wenn sie generell nicht allzu viele gemeinsame Szenen haben. Die Gefühle, die sie für Tony empfindet und er auch für sie, werden zwar durch vorsichtiges Flirten angedeutet, aber nie so intensiv gezeigt, dass man von der eigentlichen Handlung abgelenkt wird. Ansonsten ist Pepper smart, geistreich und witzig, lässt sich nichts von Tony gefallen und hat immer einen ironischen Spruch auf den Lippen.
Jeff Bridges als eiskalter Geschäftsmann Obadiah Stane (der sich übrigens aus freien Stücken eine Glatze rasiert hat, um seinem Comic-Vorbild optisch mehr zu entsprechen) besitzt eine beängstigende Ausstrahlung. Und doch gelingt es Bridges, seinen Superstar-Status zurückzunehmen und sich in den Szenen mit den Kollegen nicht in den Vordergrund zu spielen, da er nun einmal nicht der Titelheld ist.
Terrence Howard als Jim Rhodes bleibt leider blass und unscheinbar und sobald seine Szene vorbei, hat man sie bereits wieder vergessen. Gibt es außer Howards eher unspektakulären Rolle noch einen kleinen Minuspunkt? Den gibt es. IRON MAN hat keinen Musikscore, der im Ohr bleibt. Was Komponist Ramin Djawadi da abliefert, ist bestenfalls Fließbandkost ohne nennenswerte Höhepunkte. Schade.
Fazit
Großartige Action, gelungene Spezialeffekte und witzige Sprüche – IRON MAN ist ein großer Filmspaß für jeden! Und vor allem auch für jene, denen Peter Parker/Spider-Man zu teeniemäßig war.
PS: Sich den Abspann bis zum Ende anzusehen, lohnt sich ...