Bomben entschärfen - irgendjemand muss diesen Job ja machen, zumindest dann, wenn es ein Roboter nicht mehr tut. Dass diese lebensgefährliche Arbeit nicht nur einfach gemacht werden muss, sondern dass es auch Menschen gibt, die sich dadurch bewusst ihren Adrenalinkick holen, erscheint recht verwunderlich. Kathryn Bigelows Actionfilm widmet sich aber nicht bloß ein paar durchgeknallten Soldaten, sondern portraitiert das Leben der Menschen, die hinter einer so steril klingenden Arbeitsgruppe wie der "Explosive Ordinace Disposal Group" stecken. "Tödliches Kommando" (im Original "Hurt Locker") ist ein Actionfilm, der nicht nur das Blut gerinnen lässt, sondern auch zum Nachdenken anregt.
Kathryn Bigelow ist für ihre Actionfilme und Thriller bekannt und das nicht nur, weil sie eine der wenigen weiblichen Regisseure des Action-Genres darstellt, sondern weil es sich bei ihren Produktionen ("Gefährliche Brandung", "Strange Days", "K 19 - Showdown in der Tiefe") um hochwertige Filme handelt, für die sich stets ein breites Publikum fand. Mit "Tödliches Kommando" macht die Kalifornierin abermals alles richtig und liefert Suspense-Kino wie es im Buche steht. Hinzu mischt sie tiefgründige Komponenten und verzichtet auf Pathos und Patriotsmus. So entsteht ein Film, der überrascht, anspruchsvoll ausfällt und von der ersten bis zur letzten Sekunde fesselt.
Die Arbeit der Bombenentschärfer im Irakkrieg ist härter als man sich vorzustellen vermag. Die Soldaten arbeiten buchstäblich zwischen Leben und Tod - und das beinhaltet oft nicht nur den eigenen. Die Verantwortung, der Druck, das Risiko und nicht zu wissen, ob man lebend davon kommt, stellen die Grundpfeiler des Jobs dar. Wie sich die Soldaten bei Laune halten, mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben, was ihre Familien zu Hause davon halten und warum sie nach einem abgeschlossenen, überlebten Einsatz wieder ins Kriegsgebiet zurückkehren, sind die Fragen, die Bigelow thematisiert. Die eigentlichen Actionszenen sind meist sehr still, man hört das Atmen der Beteiligten wie eine Bombe ticken, meint den leisesten Windzug auf der eigenen Haut zu spüren und ist vollkommen gebannt. Wenn es aber knallt, dann tut es das richtig.
Auch mit der Wahl ihrer Darsteller hat Bigelow alles richtig gemacht. So lässt sie zwar bekannte Gesichter wie Guy Pearce, Ralph Fiennes oder David Morse auftauchen, deren Auftritte bleiben aber sehr kurz, um den wahren Männern des Gefechts Platz zu machen. So sind die ewigen Nebenrollenanwärter Jeremy Renner ("28 Weeks Later", "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" "Lightbulb") und Anthony Mackie ("Crossover", "Sie waren Helden", "Wüstenblume") endlich einmal in Hauptrollen zu sehen. Und das lohnt sich, denn die beiden geben, gemeinsam mit Brian Geraghty ("Jarhead - Willkommen im Dreck", "Unbekannter Anrufer"), ein astrein in ihren Rollen aufgehendes Team ab, dessen Spannungen untereinander fast schon so zum Zerbersten sind wie die eines grandios inszenierten Schussgefechts in der Wüste.
Der Film packt den Zuschauer aber nicht bloß aufgrund seiner enormen Spannung, seines authentischen Produktionsdesigns, seiner hervorragenden Darsteller oder der knackigen Dramaturgie. Es ist vor allem das Menschliche, das zwischen all den Waffen, dem Hass, dem Unverständnis und dem ständig präsenten Tod zu Tage gelockt wird. "Tödliches Kommando" ist kein Kriegsfilm im üblichen Sinne, sondern eine sensible Auseinandersetzung mit der Faszination an diesem.
Fazit
Herausragend!