Oscar Wildes Geschichte DAS BILDNIS DES DORIAN GRAY wurde bereits mehrmals verfilmt. Und auch wenn man meinen könnte, dass eine derart alte Geschichte für heutige Zuschauer keine Relevanz mehr besäße, so täuscht man sich, geht es doch um ein ewigliches Thema: dem Wunsch nach unvergänglicher Jugend und Schönheit. Garniert wird das Thema außerdem mit der Frage, wie ein Leben aussehen kann, dass ohne die Angst vor Konsequenzen geführt wird.
Der Film ist nicht nur die Geschichte des Dorian Gray, er ist auch die Geschichte des Harry Wotton, einem alten Zyniker, der maßgeblich die Schuld daran trägt, was aus Dorian wird. Er ist es, der einen jungen naiven Mann korrumpiert und animiert, für die Lust zu leben. Alles, was einem Mann Freude bereitet, macht ihn auch glücklich. Das ist das Credo des Harry Wotton. Und es ist ein Credo, das er gerne postuliert, aber danach zu leben ist Dorian Gray vorbehalten.
Die Geschichte ist ein phantastischer Stoff, aber es ist kein (echter) Horrorfilm. Zwar versucht man, dem Genre ein wenig zu schmeicheln, indem man Szenen mit dem sich veränderten Bild mit garstigen Geräuschen unterlegt, aber das ist Hokuspokus, den der Film wahrlich nicht gebraucht hätte.
Denn er lebt von etwas ganz anderem: Einem hervorragendem Ensemble und philosphischem Unterbau. Er beschäftigt sich mit der Frage, ob die Vergänglichkeit des Seins es nicht ist, was erst den Wert des Lebens ausmacht. Nichts währt ewig. Weder Schönheit, noch Jugend, noch Liebe. Und so sehr Dorian Gray für den Moment lebt und sich den Freuden des Daseins hingibt, so sehr wird er von selbigen gepeinigt, als er - längst Mitte 40 - immer noch wie ein junger Mann erscheint. Nur dass das Feuer der Leidenschaft in seinen Augen erloschen ist. Er ist müde geworden und verflucht, so weiterzumachen. Er wünscht einen Neubeginn, den es für ihn nicht geben kann.
Ben Barnes, der im zweiten CHRONIKEN VON NARNIA als Prinz Kaspian noch bemerkenswert farblos war, liefert hier eine nuancierte Darstellung ab. Aber noch besser ist Colin Firth als Verführer, der sich insgeheim daran weidet, was er aus Dorian Gray gemacht hat, nur um am Ende darüber zu verzweifeln.
Technisch hervorragend umgesetzt, ist DAS BILDNIS DES DORIAN GRAY Gothik-Horror im psychologischem Korsett. Ein Film für Zuschauer, die auch gerne über die wichtigen Fragen des Lebens nachdenken.
Fazit
Sehenswerte Oscar-Wilde-Umsetzung mit phantastischen Darstellern.