"Jane Eyre" ist nicht umsonst ein häufig verfilmter Stoff. Der viktorianische Roman von Charlotte Bronte erzählt von Selbstbestimmung und Emanzipation in einer Zeit als diese Begriffe noch nicht für Frauen existierten. Nicht nur die Romanvorlage ist von einer erstaunlich düsteren Atmosphäre geprägt, auch die Neuverfilmung von Cary Fukunaga ("Sin Nombre") schafft es, diese eindrucksvoll zu inszenieren. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum "Jane Eyre" nicht bloß für Liebhaber historischer Literatur eine eindrucksvolle Umsetzung darstellt.
Schatten eines düsteren Himmels bedecken die blassen Züge von Mia Wasikowska ("Alice im Wunderland"), die eine unscheinbare Figur wie die der Jane Eyre nicht trefflicher hätte darstellen können. Verbittert, traurig, ja fast schon regungslos verharren ihre Gesichtszüge wenn sie aus den trüben Fenstern ins schummrige Licht schaut oder durch den vernebelten Wald wandert. Die atmosphärische Dichte des Filmes ist grandios und wird neben den nur spärlich durch Kerzenschein erleuchteten Räumen des Herrenhauses Rochester vor allem über die zarte aber durchdringende Performance Wasikowkas getragen.
Michael Fassbender ("Hunger", "Eine dunkle Begierde") ist für die berüchtigte Rolle Rochesters eigentlich schon fast zu attraktiv, dennoch gibt er sich reichlich Mühe den grantigen Landlord mit reichlich Ecken und Kanten zu versehen. Die Dialoge zwischen dem ungleichen Paar sind sowohl im Buch wie auch im Film echte Glanzlichter und sprühen nur so vor Spannung und knisternder Atmosphäre.
Gelungen widmet sich der Film der emotionalen Entwicklung seiner Hauptfigur und erspart sich geschickt, reines Kostümtheater oder Ausstattungsschlacht zu sein. Das wirkt authentisch und überzeugend und legt einen anspruchsvollen Akzent auf die wesentlichen Inhalte der Romanvorlage.
Fazit
In jeder Hinsicht sehenswerte Adaption eines Klassikers.